Stele der Erinnerung - Friedhof Beelen

 
 

Eine vertikale Skulptur dominiert den rückwärtigen Eingangsplatz am Ende der Hauptachse des Beelener Friedhofs und schafft einen Zielpunkt für die Blickbeziehungen. Sie besteht aus einer Stahlplatte mit einer herausgeschnittenen menschlichen Figur. Die Stahlplatte wird nach kurzer Zeit eine kupferfarbene Korrosionspatina ansetzen.  

Die Figur weist ein eher schmales Erscheinungsbild sowie mit etwa 2,30 m eine Übergröße in vertikaler Richtung auf. Die Stahlplatte gliedert sich hierdurch im Verhältnis des Goldenen Schnittes. Gleichzeitig entsteht so ein Durchgang zwischen Vorderseite und Rückseite bzw. ein Blickfenster zwischen Innen und Außen. Die Ausrichtung der Stahlplatte orientiert sich dabei an der Blickachse zur Kapelle.

Die Stahlplatte mit dem ,gewaltsam herausgeschnittenen Menschen’ steht sinnbildlich für den Friedhof und den Tod. Auf den ersten Blick zeigt diese Skulptur unbeschönigt die Realität, mit der sich die Friedhofsbesucher täglich auseinandersetzen müssen: den Verlust, die Trauer und die Unabwendbarkeit des Todes. Mit ihrer rostenden Oberfläche spiegelt sie zudem die Vergänglichkeit des Irdischen wider.

Gleichzeitig bietet die Skulptur jedoch Ansatzpunkte der Hoffnung. Der lichte Ausschnitt der menschlichen Gestalt schafft einen Abdruck der verschwundenen Individualität des Verstorbenen. Somit gibt er der Erinnerung einen festen offenen Umriss: Die Stahlplatte wird zum Erkenntnisfeld, zur Erinnerungsstele. Während die Stahlplatte in ihrer unverrückbaren Massivität vergeht, überdauert der menschliche Geist unbeschadet die Zeit.

Die Figur weist in ihrer schmalen Silhouette eine leichte Überhöhung auf, so als ob sie sich Richtung Himmel streckt. Die nach oben strebende Bildhaftigkeit der Figur wie auch der Stahlplatte als Gesamtes rufen die Frage wach, wohin bei aller Erdenschwere die geistigen Energien gelenkt werden: Für Glaube und Hoffnung im Sinne eines Lebens nach dem Tod, einer Wiederauferstehung werden Zeichen gesetzt. 

Am Fußpunkt der herausgearbeiteten Gestalt, wo geistige Form und Erdreich sich berühren und verbinden, enträtselt ein in eine Bronzeplatte eingravierter Text dem aufmerksamen Besucher den Sinn der Skulptur: “Ich glaube, dass wenn der Tod unsere Augen schließt, wir in einem Lichte stehen, von welchem unser Sonnenlicht nur der Schatten ist“. (Arthur Schoppenhauer)

Das Zitat verweist auf die spirituelle Erfahrung des Jenseits, gleichsam als Weg der Seele zum Lichtreich. Dieser Urerfahrung begegnet man in allen großen Religionen in variierenden Ausdrucksformen. Die Friedhofsskulptur tritt konfessionell neutral und gleichzeitig spirituell fundiert in Erscheinung.

 

Realisierung 2010

Mit freundlicher Unterstützung der Gemeinde Beelen, des Kulturkreises Beelen und der Kulturstiftung der Sparkasse Warendorf.